Article: “Selbst ist der Mann!”

Sonic SeducerSource: Sonic Seducer, November 2005 de
Writer: Julia Beyer

Beim Label Infacted scheint man ein Faible für skandinavische Trios zu haben, die sich nach nordamerikanischen Bundesstaaten oder Stadten benennen, denn nach den Schweden von Michigan sind die Jung’s von Portland aus Dänemark nun Zugang Nr. 2 in dieser Richtung. Auch musikalisch ist man nicht weit entfernt von den Label-kollegen, denn mit ihrem einschmeichelnden und eingangigen Synthie-Pop, den man auf ihrem Album „The Eyes Of A Stranger” zu hören bekommt, sollte es dem Trio, bestehend aus den Mitgliedern Mikael, Peter und Benjamin, nicht schwer fallen, die Herzen der Synth-Fraktion zu erobern.

Gegründet würde Portland bereits vor zehn Jahren von Peter und Benjamin, der Kontakt kam durch eine Zeitungsanzeige zustande. Später stiess Mikael als Leadsanger hinzu. „Danach haben wir einfach geprobt immer dann, wenn wir Zeit hatten, es war nichts Ernsthaftes zu dieser Zeit. Aber 1998 haben wir angefangen, Demos aufzunehmen und diese an verschiedene Labels zu schicken. Memento Materia in Schweden war interessiert, aber ihr Angebot war damals nicht das beste, und als wir ihnen das sagten, fingen sie an, Dinge zu sagen. wie dass ich ein schlechter Sanger ware und übung bräuchte et cetera. Also sind wir damals nicht besonders weit gekommen. Aber zur Zeit vertreiben sie unser aktuelles Album, die Wunden sind also geheilt”, beschlieBt Mikael dieses Kapitel mit einem leichten Grinsen, „2000 haben wir einen Vertrag mit Space Boogie unterschrieben, und so wurde ,The World Is Creative’ 2001 veröffentlicht.” The Eyes Of A Stranger” ist also nicht ihr Debutalbum, auch wenn es mit dieser Veroffentlichung das erste Mal ist, dass man in Deutschland etwas von dieser Formation zu hören bekommt.

Die Parallelen zwischen Portland und Michigan wurden eingangs erwahnt. Mikael misst dem allerdings keine grol3ere Bedeutung zu. „Wir wahlten den Bandnamen 1996 nach einem gleichnamigen Film. lch dachte einfach, dass das ein sehr cooler Name ist. Nachdem wir 1998 das Angebot von Memento Materia bekommen hatten, nahmen sie einige Jahre spater eine Drei-Mann-Band mit dem Namen Michigan unter Vertrag, wir fanden das sehr lustig, als wir davon horten, und wir haben auch kein Problem damit. Es gibt ja auch noch andere Bands mit ähnlichen Namen wie Chicago oder Texas…”, die zumindest allein stimmungsmaBig allerdings in andere Schubladen zu verfrachten waren. Dass dieser Band das Motto „think big” nicht fremd ist, ist an ihren Antworten nicht zu uberhbren, denn man hat mit dem Erstlingsalbum bereits einiges erreicht und scheint nicht willens, die Schraube für den Nachfolger zuruck zu drehen. wie Mikael erzåhlt: „Bei ,The World Is Creative’ wollte unser Label einen eher mainstream-orientierten Sound, und das war okay für uns. Wir hatten drei Single-Rotationen im nationalen Radio und spielten 2001 auf dem Roskilde-Festival und bei anderen gröBeren Gelegenheiten. Aber der Unterschied zu jetzt ist, dass wir unser eigenes Label haben und dass wir reinen Synth-pop machen möchten, ohne dass jemand unsere Kreativitat beeinflusst. Unser Ziel ist es, alle zwei Jahre ein Album zu produzieren, ohne dass uns jemand im Weg steht, und das werden wir auch einhalten”, vermeldet Mikael zuversichtlich. Auch sonst will man nichts dem Zufall uberlassen, denn anders als es das normale Procedere ist, hat man die Rechte an der Musik seinen Partnern nicht direkt durch den üblichen Bandübernahmevertrag übertragen, sondern ,.verleiht” diese Rechte in Form einer Lizenz. Mikael erklärt, warum dieses Modell für die Band Sinn macht: „Wir wollten die volle Kontrolle Ober unsere Musik und die Rechte an unserer Musik haben, und indem wir Lizenzvertrage machen, ,leihen’ wir die Rechte an unserer Musik für eine bestimmte Zeitspanne aus und können immer entscheiden, welchen Weg wir mit unserer Band in der Zukunft einschlagen wollen. Und fur den Lizenznehmer gibt es kein Risiko, Geld zu verlieren, well sie nichts investieren mussen, so ist leder glücklich.” Ein Vertragsmodell, das in Zukunft Schule machen könnte, wie es auch groBe Namen wie Die Arzte vorgemacht haben.

Inhaltlich schöpft die Band nicht aus einem Pool von eigenen Erfahrungen, und Sanger und Textverfasser Mikael hat eigentlich keinen Anlass zu dusteren Gedankenwelten. „Eigentlich bin ich ein sehr glucklicher Familien-vater mit zwei kleinen Madchen, die beide unter zwei Jahren sind, aber wenn ich schreibe, dann scheint es, als wurde sich eine andere Welt öffnen und die Geschichten fallen aus dem Wandschrank. Mein Lieblingstext ist ,Drowning The Girl’ von ,The Eyes Of A Stranger’. Es ist keine reale Geschichte meines Lebens. Aber ich mag es, wie sie sich entwickelt, und ich bin sicher, dass sich viele Leute darin wiederfinden können, und das ist mir wichtig.” Entgegen möglichen Vermutungen verbirgt sich hinter dem Albumtitel und den Songs allerdings kein Konzept. „Es gibt kein Konzept, den Titel haben wir von Duran Duran geklaut, weil er gut klingt und ich ein groBer Fan in den Achtzigern war. Es ist ein Geschenk an sie”, gibt Mikael leicht grinsend zu Protokoll. Des weiteren hat man mit der Band noch viele Plane, wie der Sanger weiterhin verrät – ein Vertriebsdeal in Südafrika ist in der Mache, an den Songs für das dritte Album wird bereits gearbeitet und naturlich hofft man auf einen Toursupport in Deutschland. Und bei dem Ehrgeiz, den die drei Musiker an den Tag legen, darf man anscheinend damit rechnen, dass es nicht bei Planen bleibt.

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