Source: Zillo Magazine, November 2005 ![]()
Writer: Jan Deckard
Wahrscheinlich reicht für eine Band schon aus, wenn sie das Wort Synthiepop nur in den Mund nimmt, um als Depeche-Mode-Kopie gebrandmarkt zu werden. Auch das Trio Portland muss gegen dieses Vorurteil ankämpfen. Dabei ist auf dem Album „The Eyes Of A Stranger” nur selten ein wirkliches Anlehnen an den Stil der Superikonen zu hören. Die dänische Formation lässt sich generell von den Achtzigern inspirieren und Sänger Mikael Korslund würde sich viel lieber mit Morrissey als mit Dave Gahan verglichen wissen.
Zillo: Viele Hörer werden nicht wissen, dass ihr in Dänemark bereits ein Album veröffentlicht habt. Es hiess „The World Is Creative”.
Mikael: Ja, auf dieser Platte machten wir einen ziemlichen Mainstream-Sound. Unsere Plattenfirma wollte das so. Für „The Eyes Of A Stranger” gründeten wir unser eigenes Label. Nun konnten wir das aufnehmen, was wir wirklich machen wollten: Synthiepop! Ich mag unser Debütalbum, aber wir wollten uns mehr in die Synth-Szene bewegen. Dort sind wir nun angekommen.
Zillo: Einige Stücke der ersten Platte sollen es sogar bis ins dänische Radio geschafft haben?
Mikael: Gleich drei Singles gingen auf Rotation, das stimmt. Von der aktuellen Platte haben es zwei Lieder geschafft, Air-play zu bekommen. Mit unserer Position in Dänemark sind wir sehr zufrieden. Wir haben auch auf den beiden grössten Festivals im Land gespielt, darunter das Roskilde Festival im Jahr 2001. Nun freuen wir uns darauf, andere Leute und andere Orte zu sehen.
Zillo: „The Eyes Of A Stranger” wird in den USA, in Schweden und in Deutschland erhaltlich sein. Ist diese CD für euch so etwas wie das wirkliche Debüt?
Mikael: Für uns nicht, aber fur die Welt ausserhalb Dänemarks. Wir sind stolz, dass wir es so weit gebracht haben. Auf der Scheibe fur den internationalen Markt sind sogar noch ein paar Bonus-Tracks. Ihr bekommt also mehr geboten als die Dänen.
Zillo: Ihr trefft in Deutschland auf erfahrene und sehr erfolgreiche Konkurrenten. Wie schätzt du eure Chancen ein, einen Platz an der Sonne zu ergattern?
Mikael: Ich glaube, es war 1997, als ich Kontakt zu einem Mann namens Michael Wolf hatte. Er war von der Firma Warner Music in Deutschland. Zu dieser Zeit hatte er gerade einen Vertrag mit And One geschlossen und leider keinen Platz für einen zweiten Synthie-Act. Ich vergleiche unsere Musik durchaus mit der von And One, auch wenn sie uns Meilen voraus sind. Aber wir sind nicht hier, urn zu erobern, sondern urn Spass zu haben und unsere Musik unter die Leute zu bringen.
Zillo: Eure Lieder übersteigen nie ein bestimmtes Tempo. Sie klingen sehr relaxt.
Mikael (lacht): Darüber diskutieren wir jedes Mal. wenn wir an einem Stück arbeiten. Wir kommen nie über 120 BPM und sind uns dieser Tatsache sehr bewusst. Ich glaube, höhere Geschwindigkeiten liegen uns nicht. Also konzentrieren wir uns auf einen Tempo-Bereich, den wir beherrschen. Aber wir versuchen es: eines Tages werden wir ein Lied mit mehr als 120 BPM schreiben.
Zillo: Dank dieses Flusses innerhalb einer bestimmten Geschwindigkeit entwickelt „The Eyes Of A Stranger” eine eigene und angenehme Atmosphäre. Sie liegt irgendwo zwischen Melancholie und der sorglosen Leichtigkeit eines perfekten Augenblicks. Geht es euch auch urn das Vermitteln bestimmter Stimmungen?
Mikael: Nein. nicht wirklich. Ich habe einfach ein Gefühl dafur, wann ich den richtigen Ton oder das beste Gefühl treffe, wenn ich Musik schreibe. Hier liegen eine Menge Songs herum, weil sie das gewisse Etwas einfangen. Ihnen fehlt aber der letzte Feinschliff. Ein Lied auf der neuen Platte stammt aus dem Jahr 1998. Da fand ich plötzlich den richtigen Schlüssel, um es zu beenden. Das war grossartig.
Zillo: Dann sind es bestimmt die täglichen Dinge des Lebens, die dich beim Texten beeinflussen?
Mikael: Genau, es hängt davon ab, an welchem Tag ich schreibe.
Zillo: An was fur einem Tag sind die Lyrics für „Drowning The Girl” entstanden, das für mich den schönsten Text auf der CD besitzt?
Mikael: Das ist auch mein Lieblingstext. Die Arbeiten an den Lyrics begannen im Nirgendwo und irgendwann hat sich eine Geschichte daraus entwickelt. Es geht urn einen Jungen, der in der Schule von einem Mädchen tyrannisiert wird. In seinen Tagträumen stellt er sich all die Sachen vor, die er seiner Schulkameradin antun könnte. Das hat nichts mit mir zu tun, aber viele Leute werden zu dieser Situation einen Bezug herstellen können.
Zillo: Du sollst ein grosser Fan von Morrissey sein?
Mikael: An diesem Mann fasziniert mich alles. Ich glaube, in jeder Rezension, die in Dänemark geschrieben wurde, verglich man mich mit Dave Gahan. Dabei bin ich so ein grosser Fan von Morrissey, dass es mich wirklich wundert, mit ihm bisher noch nie verglichen worden zu sein. Das mag an unserer Musik tiegen, wer weiss.